Driven by Change: Märkte in Bewegung

Die Automobilindustrie steht vor einschneidenden Veränderungen: Die Anforderung-en an Automobile in den Wachstumsmärkten unterscheiden sich deutlich von den aktuellen Erfordernissen in Europa und den USA. Gegenüber dem hohen Absatz-wachstum in den neuen Märkten ist der Absatz in Europa immer noch auf einem niedrigen Niveau. Diese Unterschiede treiben europäische Fahrzeughersteller und Zulieferer in ein immer größer werdendes Dilemma zwischen den Kosten der techno-logischen Lösungen zur Einhaltung zukünftiger Gesetzesregelungen in Europa bei gleichzeitig schrumpfenden Absatzzahlen. Eine aktuelle Studie der IAV-Tochter Consulting4Drive (C4D) beleuchtet diese Zukunftstrends.

Der Automobilabsatz in Mitteleuropa und den USA erholt sich langsam vom scharfen Einbruch während der Finanzkrise – dennoch können die Hersteller bis auf Weiteres in diesen gesättigten Märkten nicht mit starkem Wachstum rechnen. Neue Nachfrage entsteht vor allem in Schwellenländern wie Brasilien, Russland, Indien und China sowie in Afrika. Dieser Trend hat enorme Auswirkungen, insbesondere auf die europäische Autoindustrie, wie die aktuelle Powertrain-Studie „Driven by Change“ der IAV-Beratungsgesellschaft C4D belegt.

66 Prozent aller Neuinvestitionen in Motorenwerke bereits 2010 in Asien

Der Gesamtbedarf an Motoren wird im asiatischen Raum im Jahr 2015 so groß sein wie in Europa und USA zusammen. Eine Verlagerung von Produktionskapazitäten, insbesondere aus Europa ist aufgrund der erforderlichen Marktnähe und des sich einstellenden Kostendruckes, in die asiatischen Wachstumsmärkte unausweichlich. "Wir erwarten deutliche Veränderungen in der Produktionslandschaft für Verbrennungs-motoren und deren Komponenten“, sagt Karsten Löwenberg, Senior Consultant bei C4D. „Größere Investitionen für Motorenwerke in Mitteleuropa dürfte es auf absehbare Zeit nur noch zum Erhalt von essentiellen Kapazitäten geben. Die Investitionen in den USA stünden aktuell bereits allein im Zeichen der Erneuerung vorhandener Kapazitäten. Investitionen in großem Umfang seien künftig nahezu ausschließlich in Asien zu erwarten und so flossen bereits im ersten Halbjahr 2010 ca. 66 Prozent aller weltweiten Neuinvestitionen in Motorenwerke nach Asien.“ Diesem Wandel müssen sich auch die Zulieferer stellen: Die Verlagerung der Produktion in die Wachstumsmärkte beschränkt sich nicht auf das Finishing der Grundmotoren und die Endmontage der Aggregate, sondern zieht – leicht verzögert – auch intensive Lokalisierungsbestrebungen nach sich. „Das zwingt die etablierten Zulieferer, größere Investments in den Wachstumsmärkten zu tätigen – oder sie müssen den Markt lokalen Konkurrenten überlassen“, so Löwenberg. „Insbesondere kleine und mittelständische Betriebe sind nach der Wirtschaftskrise zu den erforderlichen Investitionen aber nur bedingt in der Lage.“

Divergierende Anforderungen verringern Synergieeffekte

Die Anforderungen an die Motorentechnik werden in Europa und den USA geprägt durch die gesetzlichen Regelungen zur Verringerung der CO2-Emissionen bei gleichbleiben-dem Wunsch der Kunden nach Leistung und Fahrdynamik. Unter dem Einfluss der so entstehenden Downsizingkonzepte werden die Motoren komplexer, trotz Reduzierung der Zylinderzahl. Der Wegfall von Zylindern führt damit heute bereits zur Verringerung der Absatzmengen an Kolben und Ventilen der Zulieferindustrie und wirkt sich erheblich auf das Geschäftsmodell aus. In Asien bilden heute bereits die weitaus preiswerteren Zwei- bis Vierzylindermotoren den Absatzschwerpunkt.  

Im Gegensatz dazu rechnen die Experten der C4D in Asien mit einem Absatzschwer-punkt von weitaus preiswerteren Zwei- bis Vierzylindermotoren. Dort stehen einfache Basismotorisierungen im Mittelpunkt, welche die steigende Nachfrage nach Grundmo-bilität in Verbindung mit geringer Kaufkraft in den Segmenten „Mass-Mobility“ und Base-Mobility“ befriedigen können. Mit einer prognostizierten Verschiebung von heutigen 30 Prozent auf über 50 Prozent des weltweiten Absatzes an Verbrennungsmotoren spielen diese einfachen Motorenkonzepte die bedeutende Rolle. Durch die divergierenden Anforderungen zwischen neuen und etablierten Märkten schrumpfen für europäische Hersteller die möglichen Stückzahleffekte und es werden zusätzliche Varianten notwen-dig. Insbesondere bei einer Kopplung der auf Hochtechnologien basierenden Motoren mit elektrischen Triebstrangkomponenten wirkt dieser Umstand als zusätzlicher Kostentreiber für den Gesamtantriebsstrang.

Allerdings liegt gerade in einer zunehmenden Elektrifizierung des Antriebsstranges eine mögliche Chance zur Vereinfachung der Motoren. Hier verliert der Verbrennungsmotor seinen Einfluss auf die Effizienz des Fahrzeugs, sodass die europäischen OEMs mittelfristig einfachere Maschinen einsetzen können. „Ein weiterer Stellhebel für eine wirtschaftliche Produktion ist die modulare Ausrichtung der Produktstrategie im Sinne eines Motorenbaukastens“, sagt Löwenberg. „Dieser ermöglicht eine Flexibilisierung der Produktion und damit den Ausgleich der Kapazitäten bei Absatzschwankungen in den Märkten.“ Bei Rückfragen oder weiterführendem Interesse  freut sich die C4D über Ihre Kontaktaufnahme.

Kontakt:

Consulting4Drive
Herrn Sandro Fengler
Carnotstr. 1
10587 Berlin
E-Mail: s.fengler@consulting4drive.com