Die IAV-Tochter TRE ist auf die Entwicklung von Fahrwerken spezialisiert. Mit ihrer innovativen Raum sparachse zeigen die Experten, wie man hohen Fahrkomfort, Fahrdynamik und einen geringen Platzbe darf kombinieren kann. Das ist besonders für Hybrid- und Elektrofahrzeuge wichtig, bei denen die Batterie viel Raum einnimmt.
Hybrid- und Elektrofahrzeuge werfen eine große Zahl ungelöster Probleme auf. Eines davon: Wohin mit den großen Batterien? Soll kein wertvoller Raum für Passagiere oder Gepäck verloren gehen, müssen die Energiespeicher an anderer Stelle untergebracht werden. Darum arbeiten die Entwickler intensiv an der Verkleinerung von Fahrzeug- komponenten – beispielsweise an möglichst raumsparenden Achsen. Davon können auch andere alternative Antriebe profitieren, denn Ethanol oder Flüssiggas haben ebenfalls eine geringere Energiedichte als Diesel und Benzin und brauchen darum mehr Platz für den Tank.
Das IAV-Tochterunternehmen TR Engineering powered by IAV GmbH (TRE) aus dem rheinland-pfälzischen Neustadt an der Weinstraße und die IAV haben darum in eigener Regie eine höchst kompakte Hinterachse entwickelt, die geringen Platzbedarf mit ausgezeichneter Performance verbindet. Dabei setzen die Ingenieure auf innovative Komponenten, z. B. einen Rotationsdämpfer anstelle des konventionellen Teleskopdämpfers.
Innovative Technologie: Der Rotationsdämpfer
"Beim Rotationsdämpfer verwenden wir einen Rotor für die Ölverdrängung", erklärt TRE-Geschäftsführer Eckardt Döhrer das Konzept, das von ZF Sachs entwickelt wurde. "Das spart viel Platz und geht nicht auf Kosten der Performance." Die Rotationsdämpfer werden in der Raumsparachse mit Drehstabfedern kombiniert, die ebenfalls wenig Platz brauchen und wenig Bauraum benötigen. Und schließlich ist es den Fahrwerks- spezialisten auch gelungen, die obere Lenkerebene zu eliminieren und nach unten zu schieben – auch das schafft zusätzlich Platz. Somit benötigt man im oberen Bereich des Rades eigentlich nur noch den Raum fürdas Reifengebirge.
2008 haben die Entwickler von TRE gemeinsam mit der IAV die neue Raumsparachse in einen Audi A3 eingebaut, um die Leistungsfähigkeit des Konzeptes in der Praxis belegen zu können. Der A3 ist ein typischer Kandidat für die neue Komponente: "Die Raumsparachse macht nur in hochwertigen Fahrzeugen Sinn, beispielsweise in Sportwagen oder Coupés, kombiniert mit entsprechendem Raumbedarf, z. B. für Energie speicher", so Döhrer. "Oder eben in kleineren Fahrzeugen aus dem gehobenen Segment, wie etwa dem Audi A3." Denn die neue Technik hat ihren Preis: Die Kosten in der Serie sind zwar noch schwer abzuschätzen, aber Döhrer rechnet mit einer ähnlichen Größenordnung wie bei den Mehrlenkerachsen. Dazu kommt der Rotationsdämpfer – er ist das Kernstück der Raumsparachse und wird wohl auch in Zukunft etwas kostspieliger bleiben als der herkömmliche Teleskopdämpfer.
Anspruchsvolle Fahrdynamik und hoher Nutzwert
Der Mehraufwand für die Raumsparachse lohnt sich aber allemal, denn mit ihrer Hilfe lassen sich anspruchsvolle Fahrdynamik und hoher Nutzwert bestens kombinieren – der Fahrer muss sich nicht mit einer schlechteren Performance abfinden. "Es gibt natürlich auch andere platzsparende Achsen, z. B. Starrachsen oder Verbundlenker- achsen", so Döhrer. "Dort geht der geringe Raum be darf aber klar auf Kosten von Fahrkomfort und Fahrdynamik. Das ist bei unserer Raumsparachse nicht der Fall." Inzwischen wurde das neue Konzept zum Patent angemeldet.
Bei der Entwicklung der neuen Achse war TRE für das Layout und die Kinematik zuständig, die Konstruktion und der Aufbau des Aggregatträgers erfolgte in Gemein- schaftsarbeit mit der IAV. Mit der Eigenentwicklung wollen IAV und TRE ihr Know-how im Bereich der Fahrwerksentwicklung demonstrieren. "Unser Ziel ist nicht unbedingt, die Raumsparachse zu verkaufen – noch wichtiger ist uns zu zeigen, dass wir ein völlig neues Konzept entwickeln und auch praktisch umsetzen können", sagt Döhrer. "Dabei ist der Prototyp im Audi A3 ein hervorragendes Akquisewerkzeug, weil wir den OEMs damit unsere Expertise beweisen können.“
Wie gut die Entwickler aus Süddeutschland arbeiten, belegen auch ihre Aktivitäten im Rennsport. Das Kürzel "TR" steht für "Team Rosberg", 1994 vom ehemaligen Formel-1-Weltmeister Keke Rosberg gegründet. TRE hat sich seit 1997, zunächst als 100-Prozent-Tochter des Teams, auf Fahrwerksentwicklung, Leichtbau und Faserverbund- werkstoffe spezialisiert. Aktuell betreut TRE das „Team Rosberg“ mit seinem Know-how beim Einsatz als offizielles Werksteam von Audi in der Deutschen Tourenwagen-Meister schaft (DTM). "Heute entwickeln wir vorrangig im Serienbereich, nutzen aber die Synergien aus dem Rennsport dort, wo es Sinn macht", betont Döhrer. "So kam es, dass wir im Jahr 2001 ein erstes Gemeinschaftsprojekt mit der IAV durchführten. Es wurde ein E-Lupo mit vier Radnabenmotoren ausgestattet. TRE lieferte das komplette Hinterachsmodul." Nach mehreren gemeinsamen Projekten und einem Kooperations- vertrag wurde letztes Jahr das Gemeinschaftsunternehmen "TR Engineering powered by IAV GmbH" (TRE) ausgegründet, an dem die IAV die Mehrheit hält.
