Lavida – eine chinesisch-deutsche Erfolgsgeschichte

Der chinesische Automarkt ist einmalig auf der Welt: Mehr als 50 Automarken kämpfen dort um die Gunst der Käufer – darunter einheimische,japanische, koreanische, amerikanische und europäische Automobilkonzerne. Volkswagen hat sich mit einem neuen Modell in den Wettbewerb gestürzt.

Auf der diesjährigen Beijing Motorshow Ende April stellte VW die Mittelklasselimousine Lavida vor, die ganz auf den chinesischen Markt zugeschnitten ist. Der Lavida ist ein Fahrzeug der A-Klasse und bringt frischen Wind in die Fahrzeugpalette von VW: Er verbindet chinesischen Kundengeschmack mit europäischem Technik-Knowhow. Das Fahrzeug wurde von Shanghai Volkswagen – einem Joint Venture der VW AG und der SAIC – komplett außerhalb Deutschlands entwickelt. Die IAV war mit ihrer Tochtergesellschaft IAV Ltd. Shanghai als Entwicklungspartner an dem Projekt beteiligt.

Der Lavida ist eine komplette Fahrzeugaufbau-Neuentwicklung auf der Basis einer bestehenden VWPlattform: Vom Design über die Vorentwicklung, die Konstruktion, die Berechnung, den Versuchsbau, die Aufbau- und Sicherheitsversuche bis hin zur Serienproduktion wurde die gesamte Prozesskette einer Fahrzeugentwicklung durchlaufen.

Kommunikation ist alles

Im Verlauf des Projekts gab es verschiedene Anpassungen. Die laufenden Optimierungen im Detail erforderten eine intensive Abstimmung zwischen allen beteiligten Entwicklungsbereichen, um die effiziente sowie funktions- und termingerechte Umsetzung zu garantieren. Zusätzlich mussten einige technische Randbedingungen berücksichtigt werden:

  • Neben dem Lavida gab es zeitgleich eine zweite Fahrzeugneuentwicklung auf der gleichen Plattform mit einem hohen Anteil von Gleichteilen.
  • Zur Kostenreduktion wurden im Projektverlauf Bauteile und Module der beiden Fahrzeuge vereinheitlicht beziehungsweise im VW-Konzern vorhandene Module eingesetzt.
  • Das Entwicklungs-Know-how musste ständig mit den technischen Möglichkeiten und Kapazitäten der lokalen Lieferanten abgeglichen werden, die zum Teil erheblich von denen der europäischer Zulieferer abweichen.
  • Die Freigabeverantwortung für alle Plattform- und Sicherheitsumfänge lag bei der VW AG in Wolfsburg.
  • Die Gesamtsteuerung aller chinaspezifischen Umfänge erfolgte durch die Volkswagen Group China.

„An diesem Projekt war eine große Zahl von Entwicklungspartnern beteiligt – das machte die Kommunikation und die Abstimmung sowie das Datenmanagement besonders anspruchsvoll“, erinnert sich Projektleiter Frank Strüber von der IAV. „Diese große Herausforderung musste zusätzlich zur eigentlichen Entwicklungsarbeit bewältigt werden.“

Bei der Fahrzeugsicherheit „Best in Class“

Im Verlauf des Projektes stiegen zudem die Anforderungen an das Gesamtfahrzeug, weil die Ansprüche an seine Sicherheit auf die zu erwartenden chinesischen Consumertests angehoben wurden. Wie bei allen VWEntwicklungsprojekten galt auch hier das Entwicklungsziel, „Best in Class“ zu sein, was aufgrund der hohen Expertise im Bereich Fahrzeugsicherheit realisiert werden konnte.

Neben der termingerechten Bereitstellung der Daten für die Werkzeugerstellung mussten die Prototypen-Aufbauten sorgfältig kontrolliert und gesteuert werden, um die Entwicklungserprobung mit aussagekräftigen Ergebnissen zu unterstützen. Die Versuchserprobung für Aufbau und Crash umfasste die Untersuchung von Einzelteilen, Baugruppen und des Gesamtfahrzeugs. Auch die Dauerlauferprobung und die Erfüllung aller Anforderungen an die Fahrzeugsicherheit gehörten dazu. „Es war im weiteren Projektverlauf sehr wichtig, die Produktionsvorserie und die Nullserie zu unterstützen und genau zu verfolgen“, so Frank Strüber. „Dazu gehörte auch die intensive Abstimmung mit den Bauteilelieferanten, um eine fertigungs- und montagegerechte Umsetzung der Konstruktion zu gewährleisten.“ Innerhalb dieser Projektphase wurde gemeinsam mit der Qualitätssicherung ständig die Bauteil- und die Montagequalität am Gesamtfahrzeug überprüft. Denn neben der Oberflächenqualität ist eine ausreichende Maßhaltigkeit der Bauteile die Grundvoraussetzung für ein qualitativ hochwertiges Produkt.

Der letzte Schliff

Im Zuge dieser Arbeiten erhielt das Fahrzeug auch den letzten Schliff: Die Feinabstimmung der Bauteile zur Fugenoptimierung sowie die hohe Passungsgenauigkeit sorgten für einen hochwertigen Gesamteindruck. Zugleich wurde die Elektronik geprüft – auch hier war die hohe Fachkompetenz der IAV ein maßgeblicher Faktor zur Gewährleistung aller Funktionen im Gesamtfahrzeug: Mit modernster Analysetechnik wie Datenlogger und Referenzprüfplätzen für Baugruppenuntersuchungen konnten Fehlerursachen ermittelt und die geeigneten Gegenmaßnahmen definiert werden.

Während der Optimierungsmaßnahmen im Vorserienstadium wurden die letzten Verbesserungen im Bereich des Fahrkomforts umgesetzt: Mit Hilfe von Fahrversuchen und Komponentenmessungen konnte die subjektive Wahrnehmung von Schwingungen und Geräuschen im Fahrzeug noch einmal entscheidend optimiert werden. Wirkungsvolle Dämmungs- und Dämpfungsmaßnahmen sorgten für eine merkliche Verbesserung des allgemeinen Fahrkomforts. Um diesen Qualitätsstand in der Serienmontage sicherzustellen und auch bei steigenden Stückzahlen zu halten, war eine regelmäßige, intensive Schulung der Mitarbeiter an den Montagestationen in der Serienfertigung notwendig.

Win-Win-Situation für die beteiligten Partner

„Mit der Entwicklung des Lavida ist SVW ein großer Wurf gelungen. Die IAV hat mit einem hoch motivierten Team und entsprechender Fachkompetenz einen großen Teil zu diesem Erfolg beigetragen“, meint Frank Strüber. „Die Kombination von deutschem und chinesischem Knowhow hat dieses Turnkey-Projekt vorangetrieben und ist ein Beispiel für eine chinesisch-deutsche Erfolgsgeschichte.“

Die ersten Presse- und Kundenreaktionen waren insgesamt sehr positiv. Die Markeneinführung Ende Juni ist aufgrund der großen Zahl an Vorbestellungen gelungen und stimmt für die weitere Zukunft optimistisch. Parallel zu der Entwicklungsarbeit für den Lavida hat sich die IAV Ltd. Shanghai vergrößert. Eine Reihe neuer Projekte ist in Bearbeitung, und der dadurch notwendige Umzug in neue Räumlichkeiten wurde vor Kurzem abgeschlossen. Damit ist der IAV-Standort in China zu einem festen Bestandteil der weltweiten Wachstumsstrategie der IAV geworden.