Spot an für den "New Trabi"

Der „Trabi“ feiert Wiederauferstehung: Das Kultauto aus der DDR könnte schon bald als modernes Elektrofahrzeug auf die Straßen zurückkehren. Ein Konsortium aus deutschen Herstellern stellte auf der IAA ein erstes Concept-Car vor. Mit dabei: die Experten der IAV.

Großer Presserummel am 15. September 2009: Auf der IAA in Frankfurt stellt ein Konsortium deutscher Unternehmen eine Wiederauflage des Trabants vor. Während das Design des Fahrzeugs deutlich auf die Formen des Originals anspielt, wird im Inneren des „Trabants nT“ modernste Technik stecken. Statt eines knatternden Zweitaktmotors soll der neue Trabi von einem E-Motor angetrieben werden. Die angestrebte Zielreichweite von 160 Kilometern ermöglicht längere Fahrten als nur den Einsatz in der Stadt, denn: Im Durchschnitt bewegen die Deutschen ihre Autos gerade mal 50 Kilometer am Tag.

Kultauto mit Sympathiefaktor

Hinter dem Projekt stecken der Modellfahrzeugbauer Herpa aus dem bayerischen Dietenhofen, die IndiKar Individual Karosseriebau GmbH aus Wilkau-Haßlau bei Zwickau und der Automobildesigner Nils Poschwatta. Ihr Ziel: Der Trabant nT soll genauso einfach, robust, leicht und praktisch sein wie das Original – aber zugleich auch sparsam, innovativ, individuell und ausgestattet mit einem hohen „Sympathiefaktor“. Begonnen hat alles vor drei Jahren, als Herpa-Geschäftsführer Klaus Schindler die Idee zu einem Trabi-Revival hatte: Das Miniaturmodell im Maßstab 1:87 verkaufte sich so gut, dass die Herpa-Designer ein 1:10-Modell eines modernisierten Trabis entwarfen und auf der IAA 2007 der Öffentlichkeit präsentierten. Die Resonanz war überaus positiv, und der „New Trabi“ war geboren – pünktlich zum 50. Geburtstag des Originals.

 Die Lichtanlage des neuen Trabant nT

Auf der Suche nach kompetenten Entwicklungspartnern wurden die Initiatoren auch in Chemnitz fündig: Udo Wehner, Fachbereichsleiter Funktionen im Geschäftsfeld Elektronik Fahrzeug bei der IAV, war sofort von dem Projekt begeistert. „Der neue Trabant nT steht für Fahrspaß, gepaart mit Umweltbewusstsein und der Konzentration auf das Wesentliche“, so Wehner. „Zudem wünschen sich immer mehr Menschen in unserer hochkomplexen Welt eine ‚entkomplizierte’ Technik, die leicht zu bedienen ist – auch dafür steht der Trabant nT.“ Und als einer der bedeutendsten Automobildienstleister in Sachsen war es für die IAV ohnehin eine Ehrensache, das vielversprechende Projekt aus der Region zu unterstützen.

Beleuchtung aus einer Hand

Die Experten der IAV waren neben dem Elektroantrieb und der Elektrik/Elektronik insbesondere für das Lichtkonzept des Trabants nT verantwortlich. „Anfang 2009 haben wir begonnen, mit dem Designer Nils Poschwatta zusammenzuarbeiten“, erinnert sich Christopher Wolf, Fachbereichsleiter Elektrik/Einbau im Geschäftsfeld Elektronik Fahrzeug bei der IAV. „Dabei ging es nicht nur um das Aussehen, sondern auch darum, alle Voraussetzungen für die spätere Zulassung zu erfüllen.“ Nachdem die Lichtexperten der IAV die Komponente entwickelt hatten, wurden die Beleuchtungsmuster bei verschiedenen Firmen produziert, und für die Ansteuerung kamen die Prototypen-Steuergeräte der IAV zum Einsatz.

Der Trabant nT ist mit einer Halogen-Beleuchtungsanlage ausgestattet, die durch moderne LED-Technik für das Tagfahrlicht und den Blinker ergänzt wird. „Das ist Stand der Technik in dieser Fahrzeugkategorie“, so Wolf. „Aus Kostengründen haben wir ganz bewusst auf andere Optionen wie etwa Xenonlicht verzichtet.“ Im Entwicklungsprozess haben die IAV-Spezialisten allerdings neue Wege beschritten: Bereits vor dem ersten Muster haben sie das Licht aus Sicht des Fahrers und des Betrachters simuliert und bis zur Erstellung des ersten 1:1-Musters optimiert. Für die Beurteilung der Musterperformance wurden die tatsächlichen Leuchtdichtebilder mit der Simulation verglichen. Damit konnten die Ursachen für mögliche Abweichungen schnell identifiziert und abgestellt werden.

Ungewöhnlich ist auch der Umfang des IAV-Beitrages zum Licht: „Wir haben vom Design bis zum Prototypen sämtliche Entwicklungsarbeiten übernommen – bis hin zur Abnahme der Prototypen“, so Wolf. „Normalerweise kommt das Designkonzept von einem Zulieferer.“ Dabei geht es der IAV aber nicht darum, den etablierten Herstellern Konkurrenz zu machen – vielmehr möchte sie das Projekt nutzen, um ihre Bewertungskompetenz auf dem Gebiet der Beleuchtungstechnik aufzuzeigen. Dazu starten die Lichtexperten Ende des Jahres auch eine Roadshow, um die komplette Lichtanlage des Tranbants nT bei Kunden vorzustellen.

Lichtexperten bei der IAV

Seit Juli 2007 kümmert sich eine eigene Abteilung der IAV um das Thema „Licht und Sicht“. Die Beleuchtungsexperten sind dabei die Schnittstelle zwischen OEMs und Zulieferern: „Es war der Wunsch unserer Kunden, sie auch bei der Entwicklung von Komponenten – Scheinwerfern, Rückleuchten und Innenraumbeleuchtungen – zu unterstützen“, so Wolf. „Es beginnt damit, die Anforderungen an die Komponente festzulegen sowie das Design und die Spezifikation für den Zulieferer vorzugeben.“ Die Abteilung kümmert sich auch darum, dass das neue Bauteil zulassungskonform ist, also alle einschlägigen Normen einhält. Auch während der Entwicklung stehen die IAV-Experten ihren Kunden als neutrale Moderatoren mit Rat und Tat zur Seite. Dabei kann die IAV immer auf ihre Kompetenz für das gesamte Fahrzeug zurückgreifen.

Derzeit baut die IAV am Standort Chemnitz eine neue, moderne Lichthalle auf. „Wir versetzen eine Halle in einen lichttechnisch neutralen Zustand, sodass wir sie beispielsweise komplett verdunkeln können“, erklärt Wolf. „Zudem entsteht dort eine neue Infrastruktur für kamerabasierte Messverfahren.“ Künftig lässt sich die Leistungsfähigkeit von Beleuchtungsanlagen mithilfe digitaler Kameras und Auswertungssoftware kostengünstig und reproduzierbar messen. Auch Fahrerassistenzsysteme mit Kameras und Lichtassistenzsysteme können dann inChemnitz untersucht werden. „Erste Messungen laufen bereits und im Jahr 2011 soll die neue Anlage komplett fertiggestellt sein“, erläutert Wehner.

Die Zuarbeit der IAV für das Trabant-Projekt ist mit der Präsentation auf der IAA zunächst abgeschlossen. Wie es mit dem Projekt weiter- geht, hängt jetzt vom Konsortium ab – und davon, dass sich ein Investor findet, der das Fahrzeug in die Serie bringt. „Die Vision liegt hinter uns – wir beginnen die Realisierungsphase“, so IndiKar-Geschäftsführer Ronald Gerschewski. „Unser Ziel ist die serienreife Entwicklung.“ Wenn alles gut läuft, könnten die ersten Trabants nT mit reinem Elektroantrieb 2012 auf den Straßen rollen.