„Das Beste aus zwei Welten“

IT-Know-how trifft Automotive-Kompetenz: IAV und Microsoft denken das vernetzte Fahrzeug weiter

Gemeinsam arbeiten IAV und Microsoft daran, die Vision vom vernetzten Fahrzeug umzusetzen und weiter zu denken. Dafür stellt Microsoft seine Cloud-Plattform Azure zur Verfügung, auf deren Basis IAV innovative Mehrwert­dienste entwickelt und Lösungen anderer Partner ins Fahrzeug integriert. Erste Ergebnisse waren bereits auf der CES 2016 und der CES 2017 in Las Vegas zu sehen. Jens Beckmann, Connected Car Lead bei Microsoft Deutschland, Steffen Lintz, Leiter IAV München, und Udo Wehner, Bereichsleiter Vehicle Integrated Functions bei IAV, sprechen im automotion-Interview über die bestehenden Showcases und weitere gemeinsame Entwicklungs­projekte.

Herr Lintz, Herr Wehner, was macht Microsoft aus Sicht von IAV zu einem so attraktiven Partner?

Lintz: OEMs und Zulieferer arbeiten an der Digitalisierung des Automobils und benötigen dafür neue Impulse und Innovationen wie eine Plattform, auf der die Services sicher und zuverlässig laufen. Genau das kann uns Microsoft Azure bieten.

Wehner: Sowohl Microsoft als auch IAV entwickeln Software und Funktionen im professionellen Umfeld. Die Betrachtungs­weise des Themas kommt jedoch aus einer völlig anderen Richtung. Bei Microsoft aus IT-Sicht mit hochentwickelter Software als Basis und bei IAV aus Automotive-Sicht mit Embedded Steuergeräten, Echtzeit­optimierung und einem starken Fokus auf funktionale Sicherheit. Beide Unternehmen können aus dem unterschiedlichen Vorgehen und den verschiedenen Sichtweisen sehr viel lernen.

Umgekehrt gefragt, Herr Beckmann: Warum interessiert sich Microsoft ausgerechnet für die Automobilbranche?

Beckmann: Wir verstehen uns als Plattform­anbieter, der seinen Kunden und Partnern aus ganz unterschiedlichen Branchen wie Pharma, Handel, Produktion oder eben Automotive cloudbasierte Dienste zur Verfügung stellt. Vernetzte Fahrzeuge sind für Microsoft ein besonders wichtiger Anwendungsfall für unsere Cloud-Plattform. Denn „Connected Cars“ sind nicht nur technisch eine anspruchsvolle Herausforderung, sondern werden künftig auch der Mittelpunkt eines ganzen Ökosystems von innovativen Diensten sein. Das eröffnet uns völlig neue Chancen, die wir gemeinsam mit Partnern aus der Automobil­industrie nutzen möchten.

Was zeichnet IAV dabei als Partner aus?

Beckmann: Bei unserer Kooperation kommt das Beste aus zwei Welten zusammen. IAV ist als eines der weltweit führenden Engineering-Unternehmen ein idealer Partner, um mit Hilfe unserer Plattform neue Mehrwertdienste für die Automobilindustrie zu entwickeln. Die IAV-Entwickler haben ein Verständnis für das gesamte Fahrzeug und bringen Lösungen in Serie, die weltweit führend sind. Das ist auch unser Anspruch – und darum ist die Zusammenarbeit auch so fruchtbar.

Lintz: Das kann ich nur bestätigen. Azure stellt uns nicht nur eine hervorragende Basis für Automotive-Anwendungen bereit – mit Microsoft haben wir auch einen Partner, der uns als spezialisiertem Unternehmen auf Augenhöhe begegnet. Bei dieser Kooperation passen technische Kompetenz und partnerschaftliches Miteinander perfekt zusammen. Man kann es auf die Formel bringen: Branchen­übergreifendes IT-Know-how trifft tiefes Verständnis für Fahrzeugentwicklung.

Welche konkreten Ergebnisse sind in der Zusammenarbeit bisher entstanden?

Beckmann: Erste Ergebnisse haben wir bereits auf der CES 2016 in Las Vegas gezeigt: Das Versuchs­fahrzeug zum Thema „Connected Highly Automated Driving“ demonstrierte den Messebesuchern, wie sie die gewonnene Zeit beim hoch­automatisierten Fahren sinnvoll nutzen können – etwa durch Skypen oder E-Mail-Schreiben im Auto. Als Basis für die Integration der unterschiedlichen Funktionen diente auch hier die Azure Cloud. 2017 stand das Exponat in Las Vegas unter dem Motto „Highly Automated Driving – Smart, Safe, Secure“ und erzählte eine erweiterte Geschichte: Es ging nicht nur um das Auto, sondern auch um Mobilität im Allgemeinen. Der CES-Fokus lag noch stärker auf Aspekten wie Sicherheit und Personalisierung.

Lintz: Darum waren weitere Partner mit an Bord: der Chiphersteller NXP, der Rückversicherer Swiss Re, der Anbieter von Connectivity-Lösungen Cubic Telecom und ESRI, ein Anbieter von Navigations- und Geoinformations­lösungen. Die Kollegen des IAV-Fachbereichs „Automated Driving Func-tions“ haben den Showcase konzipiert und die verschiedenen Services ans Auto angepasst und integriert, was beispielhaft die Rollenverteilung in unserer Partnerschaft zeigt: Microsoft stellt die Cloud-Plattform zur Verfügung, und IAV überbrückt die „letzte Meile“ – bringt die neuen Dienste also ins Auto.

An was arbeiten Sie gerade?

Beckmann: Wir wollen beispielsweise Deep Learning auf unserer Cloud-Plattform einsetzen und für das hoch­automatisierte Fahren nutzen. IAV wird die dafür benötigten Modelle entwickeln und ins Fahrzeug integrieren. Auch bei den Themen Gewährleistung und Qualität planen wir gemeinsame Projekte: Messdaten aus Fahrzeugen sollen in der Cloud analysiert und von IAV aufbereitet werden – zum Beispiel als Voraussetzung für die vorausschauende Wartung von Fahrzeugen. Voraussichtlich werden neue Showcases auf der CES 2018 in Las Vegas zu sehen sein. Wir wollen dem Markt weiter gemeinsam neue Visionen präsentieren und Lösungen für OEMs entwickeln.

Lintz: Neben den erzielten Ergebnissen ist auch die Umsetzung unserer Kooperation erwähnenswert, die ich für absolut vorbildlich halte. Wir haben schnell und pragmatisch zusammengearbeitet, sodass wir rasch Ergebnisse erzielen konnten. Dabei waren neue Arbeitsformen wie agiles Entwickeln der CES-Showcases für uns selbstverständlich. Das ist sicher ein zukunfts­weisender Weg für die Automobil­industrie. Zu unserer engen Partnerschaft trägt die räumliche Nähe beider Unternehmen bei: Die neue Europazentrale von Microsoft ist nur wenige Gehminuten vom Münchener IAV-Standort entfernt.

Wehner: Wir fördern uns gegenseitig in den unterschiedlichsten Projekten. So hat Microsoft beispielsweise IAV unterstützt, eine erste Cloud-Plattform für Fahrerassistenz und automatisiertes Fahren auf Basis von Microsoft Azure aufzusetzen. IAV berät Microsoft im Automotive-Bereich für ihre Entwicklungs­themen, und es gibt vielfältige gemeinsame Akquise­tätigkeiten bei Kunden.

Vielen Dank für das Gespräch!