Grüne Logistik auf der letzten Meile

IAV testet in Sachsen gemeinsam mit Partnern zwei voll elektrifizierte Sattelzugmaschinen

Keine Logistik ohne Lkw. Aber gibt es Trucks ohne Emissionen? Genau daran arbeitet IAV gemeinsam mit Partnern im Förderprojekt eJIT: Zwei Sattelzugmaschinen mit Elektroantrieb sollen beweisen, dass sich der umweltfreundliche Antrieb auch für den Güterverkehr eignet. Schon 2017 werden die beiden E-Lkws in Zwickau und Leipzig unterwegs sein. Einer von ihnen wird sogar mit Assistenzsystemen für das hochautomatisierte Fahren ausgestattet.

Es herrscht reger Verkehr zwischen dem Porsche- Werk und dem Logistikzentrum des Sportwagenbauers in Leipzig: 70.000 Kilometer legen Lkws pro Jahr auf der 3 Kilometer langen Strecke zurück, um Bauteile zur rechten Zeit an die Bänder zu liefern. Auch zwischen dem VW-Werk in Zwickau und dem nahe liegenden Standort des Volkswagen- Partners Schnellecke Logistics pendeln fast pausenlos Trucks – sie sind im Dreischichtbetrieb sechs Tage pro Woche auf der 10 Kilometer langen Strecke unterwegs.

Erstmals elektrische 40-Tonner im realen Einsatz

Bald werden zumindest zwei der Lkws keine Emissionen mehr ausstoßen: Im Rahmen des Projektes „eJIT – Just-in-Time-Logistiksystem auf elektromobiler Basis“ stattet IAV die beiden Sattelzugmaschinen mit einem rein elektrischen Antrieb aus. „Wir sind die ersten, die einen 40-Tonner elektrifizieren und voll als Lkw nutzen“, erklärt Sven Hönicke, Abteilungsleiter Testcenter E-Traktion bei IAV. „Damit wollen wir beweisen, dass man die letzte Meile in der Logistik grün fahren kann.“ An eJIT sind neben IAV auch Schnellecke Logistics, die Volkswagen Sachsen GmbH, die Porsche Leipzig GmbH sowie das Netzwerk der Automobilzulieferer Sachsen beteiligt.

Dank der elektrischen Antriebe mit jeweils 280 Kilowatt Dauer- und 320 Kilowatt Spitzenleistung sowie Batterien mit 140 Kilowattstunden Kapazität erreichen die beiden Lkw eine Spitzengeschwindigkeit von 85 Stundenkilometern und kommen maximal 70 Kilometer weit. Derart lange werden sie allerdings nie am Stück mit einer Batterieladung fahren müssen, denn auch die intelligente Ladetechnik ist Teil des Projektes: Der Lkw auf der Strecke Schnellecke Logistics – VW-Werk Zwickau wird während des achtminütigen Stopps an der Verladerampe per DC-Laden mit 150 Kilowatt nachgeladen. Und in Leipzig nutzen die Projektpartner pro Schicht jeweils 45 Minuten, um die Batterie dreimal am Tag mit Energie zu füllen. Der Energiespeicher führt zu keinen Einbußen bei der Ladefläche, denn er passt in den Raum zwischen Vorder- und Hinterachse.

Beide Strecken stellen unterschiedliche Anforderungen an die beiden Lkws: In Zwickau ist ein großer Teil Bundesstraße mit einer relativ hohen Geschwindigkeit von 60 bis maximal 80 Stundenkilometern befahrbar, zudem gibt es dort spürbare Steigungen. In Leipzig dagegen sind die Fahrzeuge vorwiegend in der Stadt und auf ebenem Gelände unterwegs.

Hochautomatisiert in Leipzig unterwegs

Als besonderes technisches Highlight wird der Leipziger Lkw neben seinem elektrischen Antrieb auch ein Assistenzsystem für das hochautomatisierte Fahren bekommen. „Dafür sehen wir in der Logistik ein sehr großes Potenzial“, sagt Hönicke. „Der Lkw könnte zum Beispiel in Zukunft an der Rampe selbstständig rückwärts rangieren. Das würde den Fahrer entlasten, der die gewonnene Zeit beispielsweise für eine Pause nutzen kann.“ Aber auch außerhalb des Werksgeländes soll der Truck das Steuer übernehmen. Dafür wollen die Projektpartner mehrere Ampeln mit der Car2X-Technologie ausstatten, die den Lkw über drahtlose Kommunikation beim selbstständigen Abbiegen unterstützen soll. Weitere Herausforderungen sind Kreisverkehre und schlecht markierte Spuren. Die Wahl fiel auf Leipzig, weil die Strecke innerhalb der Stadt kürzer ist als in Zwickau.

Bei ihren Versuchen zum hochautomatisierten Fahren können die IAV-Experten zwar auf vielem aus der Pkw-Welt aufbauen – dennoch sind auch neue Lösungen gefragt: Das vorsichtige Herausfahren eines Trucks vom Werksgelände auf die Straße ist beispielsweise eine Funktion, für die neue Sensorik und Algorithmen entwickelt werden müssen.

eJIT startete Anfang 2016 und bereits im Herbst sollen die beiden Sattelzugmaschinen zur Verfügung stehen. Ab Ende des Jahres werden sie mit dem elektrischen Antrieb ausgestattet und ab April 2017 sollen sie die Logistik von Porsche und Volkswagen emissionsfrei unterstützen. Das hochautomatisierte Fahren in Leipzig ist für Anfang 2018 geplant. Ende 2018 soll das Projekt eJIT abgeschlossen sein.