Immer ins rechte Licht gesetzt

Die Innenraumbeleuchtung der Zukunft ist individuell, kontextbasiert und lernfähig

Die Innenraumbeleuchtung in Fahrzeugen hat großen Einfluss auf unsere Stimmung und unser Wohlbefinden. Insbesondere beim autonomen Fahren kommt es darauf an, den Passagieren das jeweils passende Ambiente zur Verfügung zu stellen – möglichst individuell auf jeden einzelnen zugeschnitten. IAV hat auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas sein Konzept zur kontextbasierten Beleuchtung vorgestellt und arbeitet im Moment an neuen Funktionen, die 2018 in einem Versuchsfahrzeug zu sehen sein werden.

Licht übt eine starke Wirkung auf Menschen aus: Es hat einen großen Einfluss auf körperliche Funktionen wie den Stoffwechsel und kann Stimmungen wie Müdigkeit oder Leistungsbereitschaft unterstützen oder ihnen entgegenwirken. Bei der Fahrzeugentwicklung spielt es eine große Rolle – schließlich ist die Innenraumbeleuchtung nicht nur ein wichtiges Differenzierungsmerkmal für die Fahrzeughersteller, sondern auch höchst relevant für die Sicherheit: Der Fahrer darf auf keinen Fall geblendet oder abgelenkt werden. Zudem sollte die Beleuchtung im Fahrzeug auch die aktuellen Wetter- und Lichtverhältnisse der Umgebung berücksichtigen.

Individuelle Lichtzonen für jeden Passagier

Mit dem autonomen Fahren steigen die Ansprüche an die Innenraumbeleuchtung weiter. „Das Auto wird immer mehr zum Wohn- und Arbeitszimmer“, berichtet Sven Bogdanow, Abteilungsleiter für Licht und Sicht bei IAV. „Es kommt darauf an, den Passagieren die jeweils passende Innenraumbeleuchtung zur Verfügung zu stellen, zum Beispiel für ein Gespräch oder eine Erholungspause während der Fahrt.“ Und zwar individuell für jeden Passagier: Durch eine höhere räumliche Auflösung des Beleuchtungssystems können beispielsweise die beiden Insassen im Fond ihre eigenen Lichtzonen bekommen.

Damit endet die Individualisierung jedoch nicht: In Zukunft sollen Fahrzeuge über eine Nutzer-ID auf dem Smartphone erkennen, wer gerade in ihnen Platz genommen hat. Ein Nutzerprofil in der Cloud liefert dem Auto dann die persönlichen Eckdaten und Vorlieben, darunter das Alter des Passagiers, seine bevorzugten Farben und die von ihm gewünschte Helligkeit im Innenraum. So lassen sich auch kulturelle Unterschiede automatisch berücksichtigen: Während in westlichen Ländern die Farbe Rot Gefahr signalisiert, steht sie in China für Glück.

Sensoren überwachen den Zustand

Menschen sind allerdings nicht immer im gleichen Zustand. Manchmal werden sie müde und wollen die Fahrt zur Entspannung nutzen. Auch das kann eine kontextbasierte Innenraumbeleuchtung berücksichtigen: „Mit Sensoren in Pulsuhren oder über Eye-Tracking-Systeme im Fahrzeug können wir erkennen, ob ein Passagier gerade in einem wachen oder in einem ermüdeten Zustand ist, und das Licht entsprechend anpassen“, erklärt Bogdanow. „Eye-Tracking und die Analyse der Lenkeingriffe des Fahrers nutzen OEMs bereits heute für die Müdigkeitserkennung.“

Einen Ausblick auf die kontextbasierte Innenraumbeleuchtung der Zukunft hat IAV auf der CES in Las Vegas gegeben: Das dort gezeigte Demonstrationsfahrzeug ist mit einem LED-Himmel ausgestattet, der viele unterschiedliche Lichtszenarien erzeugen kann. Er kann die Insassen über ihre Wearables erkennen und sich automatisch an ihren aktuellen Zustand anpassen. Zudem erfüllt er den Insassen auch ausgefallene Lichtwünsche, wie etwa einen dynamischen Sternenhimmel im Auto – dann steigt das Wohlbefinden selbst an einem trüben Herbstabend enorm.

„Zu unserem Demonstrationsfahrzeug haben wir in Las Vegas sehr positive Rückmeldungen bekommen“, so Bogdanow. „Vor allem Besucher aus Asien waren begeistert und wollten das System sofort kaufen.“ Derzeit arbeiten Bogdanow und seine Kollegen an der zweiten Version des Demonstrators, der 2018 gezeigt werden soll und speziell auf die Anforderungen eines autonomen Fahrzeugs zugeschnitten sein wird – inklusive automatischer Identifizierung der Passagiere, biometrischer Zustandserkennung und individueller Lichtzonen für die einzelnen Insassen.

Künstliche Intelligenz erkennt neue Vorlieben

Wichtig ist, dass die kontextbasierte, intelligente Innenraumbeleuchtung der Zukunft die Passagiere unterstützt und sie nicht manipuliert. „Darum führen wir gerade Studien mit Probanden durch“, sagt Bogdanow. „Die Innenraumbeleuchtung soll in Zukunft wissen, was der Insasse in unterschiedlichen Situationen bevorzugt. Es könnte beispielsweise vorkommen, dass die Probanden sich nach einer gewissen Zeit eine andere Farbe wünschen.“ Mithilfe künstlicher Intelligenz soll das System diese Änderungen erkennen – etwa aufgrund von cloud-basierten Daten der Passagiere – und automatisch darauf eingehen.