„Wir wollen beim Thema DC-Schnellladen der Vorreiter sein“

Neue Ladesäulen bei IAV in Sindelfingen und Gaimersheim mit maximal 150 Kilowatt und 920 Volt installiert

Heute liefern Ladesäulen für Elektrofahrzeuge nach gültigem Standard maximal 50 Kilowatt Leistung – zu wenig für die nächste Generation von Elektrofahrzeugen. Manuel Marques, Fachbereichsleiter Elektromobilität bei IAV, blickt im automotion-Interview in die Zukunft der Ladetechnik und berichtet über die IAV-Aktivitäten auf diesem Gebiet.

Das Nachladen von Elektrofahrzeugen dauert vielen Kunden noch zu lange. Ist Besserung in Sicht?

Marques: Ein eideutiges ja! Im Moment haben die Ladesäulen eine Leistung von maximal 50 Kilowatt, die in Zukunft aber auf 100 oder 150 Kilowatt steigen wird. Das ist vor allem für künftige Elektrofahrzeuge mit einer Reichweite von 500 bis 600 Kilometern wichtig: Mit der heutigen Ladeleistung würde es ungefähr ein bis zwei Stunden (je nach Kapazität der Batterie) dauern, ihre Batterien wieder aufzuladen – das ist für die meisten Kunden natürlich zu lang. Solche Elektrofahrzeuge werden aber bereits in den nächsten zwei Jahren auf den Markt kommen, sodass beim Nachladen ein gewisser Handlungsdruck besteht.

Wie stellen Sie sich darauf ein?

Marques: Einerseits arbeiten wir gemeinsam mit Automobilherstellern und Zulieferern an neuen Standards für das Nachladen der Batterien – zum Beispiel im Verein CharIN e. V., wo wir das Combined Charging System (CCS) vorantreiben. Wir bereiten uns andererseits aber auch proaktiv auf künftige Kundenprojekte vor: Bei IAV in Sindelfingen und in Gaimersheim haben wir gerade DC-Schnellladesäulen unseres portugiesischen Partners Efacec installiert. Weitere Standorte innerhalb von IAV werden folgen. Wir warten also nicht, bis wir entsprechende Anfragen bekommen, sondern nehmen die neue Technik frühzeitig in Betrieb und sammeln Erfahrungen. Die Botschaft ist klar: Wir wollen beim Thema DC-Schnellladen der Vorreiter sein.

Was zeichnet die neuen DC-Schnellladesäulen aus?

Marques: Sie liefern maximal 150 Kilowatt Ladeleistung und sind damit bereits auf die nächste Generation von Elektrofahrzeug-Batterien vorbereitet. Aber nicht nur das: Die beiden DC-Schnellladesäulen können auch Spannungen von bis zu 920 Volt abgeben. Das ist wichtig, weil immer mehr Hersteller statt der heute üblichen 350 bis 450 Volt in ihren neuen Elektrofahrzeugen auf bis zu 800 Volt setzen. Das spart Kupfer und somit Gewicht, Bauraum und Kosten, erfordert aber auch eine neue Ladetechnik. Mit unseren neuen DC-Schnellladesäulen sind wir also nicht nur bei der Leistung, sondern auch bei der Spannung zukunftssicher aufgestellt.

Wie lange wird das Nachladen der Batterie in einigen Jahren dauern?

Marques: Dank der neuen Ladetechnik wird es auf jeden Fall spürbar schneller vonstattengehen. Mit den installierten DC-Schnellladesäulen wird in maximal 25 Minuten eine achtzigprozentige Ladekapazität der Batterie erreicht. Langfristig ist das Ziel klar: Das Nachladen der Batterie soll nicht länger dauern als das Tanken. Dies erfordert natürlich noch höhere Ladeleistungen, bis hin zu 350 Kilowatt.