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“Ohne Energiewende keine Verkehrswende“: Industrie, Forschung und Politik debattieren beim Berliner Antriebsstrangsymposium

06.12.2019  — 

Im Kampf gegen den Klimawandel kann die Wende hin zu nachhaltiger Mobilität einen wichtigen Beitrag leisten. Aber wie gelingt diese Wende? Darüber diskutierten die Teilnehmer des Berliner Antriebsstrangsymposiums, das vom 3. bis 4. Dezember am Pariser Platz stattfand. Veranstalter war der Automotive Engineering-Spezialist IAV in Kooperation mit dem VDA.

Kirsten Lühmann, Bundestagsmitglied und Sprecherin der Arbeitsgruppe Verkehr und digitale Infrastruktur der SPD, sieht übergeordneten Handlungsbedarf: „Die Politik wird lenkend und unterstützend tätig werden, dazu ist erforderlich zu wissen, was die Industrie leisten kann und leisten will. Die Schwierigkeit ist, dass die Automobilhersteller teilweise sehr unterschiedliche Sichtweisen haben und das macht es für die Politik nicht leichter, die richtigen Technologien zu fördern.““

Matthias Kratzsch, Geschäftsführer Technik bei IAV, kritisierte, dass die aktuelle EU-Regulierung wesentliche Aspekte ignoriere: „Nur mit einer ganzheitlichen Betrachtung über den gesamten Lebenszyklus, werden die Vor- und Nachteile der Technologien wirklich sichtbar. Dann wird auch offenkundig, wie wichtig die Energiewende für das Gelingen der Verkehrswende ist.“ Ohne einen spürbar höheren Anteil erneuerbarer Energien im Strom-Mix, so Kratzsch, würden die Klimavorteile beim Betrieb batterieelektrischer Fahrzeuge ins Leere laufen.

Markus Schäfer, Mitglied des Vorstands der Daimler AG und Mercedes-Benz AG verantwortlich für Konzernforschung und Mercedes-Benz Cars Entwicklung, argumentierte in ähnliche Richtung: „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, in den nächsten 20 Jahren mit der Neuwagenflotte von Mercedes-Benz Cars CO2-neutral zu werden. Unser Weg zur nachhaltigen Mobilität ist Innovation – in einem ganzheitlichen Ansatz entlang der gesamten Wertschöpfungskette.“

Christian Hochfeld, Direktor der Initiative Agora Verkehrswende, sagte: „Die grundlegenden Fragen bei allen derzeit diskutierten Optionen sind: Wie wirkungsvoll ist die Maßnahme, wie effizient können damit die erneuerbaren Energien genutzt werden, was kostet sie, und welche Preissignale brauchen wir, um sie in den Markt zu kriegen?“

Große Einigkeit bestand unter den Teilnehmern in der Feststellung, dass die Breite an aktuellen Herausforderungen beispiellos ist. Gefordert seien energieeffiziente und schadstoffarme Antriebe zugleich, neue multimodale Mobilitätskonzepte und klimaneutrale Kraftstoffe. Gleichzeitig müsse man die Ressourcenverfügbarkeit, die Kosten sowie die Akzeptanz der Endnutzer im Blick behalten.

Eine höchst komplexe Aufgabe – die sich nur lösen lasse, wenn alle Akteure einen gemeinsamen Diskurs auf Grundlage technisch-wissenschaftlicher Fakten führen und Wunschdenken oder Partikularinteressen zurückstellen. Denn die Realität im Mobilitätssektor ist äußerst komplex, eine einzige Antriebstechnologie dürfte für die angestrebte Mobilitätswende kaum ausreichen. Es brauche das Miteinander, zeigte sich IAV-Geschäftsführer Kratzsch überzeugt: „Die Wechselwirkungen und Abhängigkeiten in der Antriebsstrangentwicklung sind vielfältig – deshalb benötigen wir neue Partnerschaften, gemeinsame Lösungen und einen intensiveren Austausch.“
Weitere Informationen: www.iav.com/events/berliner-antriebsstrangsymposium

Über IAV:

IAV ist mit mehr als 7500 Mitarbeitern einer der weltweit führenden Engineering-Partner der Automobilindustrie. Das Unternehmen entwickelt seit über 35 Jahren innovative Konzepte und Technologien für zukünftige Fahrzeuge und setzte 2018 mehr als 900 Millionen Euro um. Zu den Kunden zählen weltweit alle namhaften Automobilhersteller und Zulieferer. Neben Fahrzeug- und Antriebsentwicklung ist IAV bereits frühzeitig in die Elektromobilität und das autonome Fahren eingestiegen und ist heute einer der führenden Entwicklungsdienstleister auf diesen Gebieten. Neben den Entwicklungszentren in Berlin, Gifhorn und Chemnitz/Stollberg verfügt IAV über weitere Standorte u.a. in München, Sindelfingen und Ingolstadt sowie in Europa, Asien als auch in Nord- und Südamerika.