Bestmöglicher Insassenschutz bei geringem Gewicht

16.08.2012 // Gemeinsam mit Daimler, Autoliv und der Technischen Universität München (TUM) arbeitet IAV an einem neuen Sicherheitskonzept für Elektrofahrzeuge: Im Rahmen des BMBF-Forschungsprojektes „Visio.M“ entwickeln die IAV-Experten Lösungen, die ein minimales Gewicht mit dem bestmöglichen Schutz der Insassen verbinden. Ziel ist es, extrem leichte E-Autos zu bauen, die vergleichbare Sicherheit bieten wie konventionelle Fahrzeuge.

Bei der Entwicklung von Elektrofahrzeugen stehen die Ingenieure vor einem Dilemma: Einerseits müssen die E-Mobile so leicht wie möglich sein, um eine maximale Reichweite zu garantieren. Andererseits darf das nicht auf Kosten der Fahrzeugsicherheit gehen – der Schutz der Insassen hat höchste Priorität, steigert in der Regel aber auch das Fahrzeuggewicht. Dieser Herausforderung stellen sich IAV, Daimler, Autoliv und die TU München: Für das geplante Elektro-Kleinstfahrzeug im Projekt Visio.M erarbeiten die Partner Sicherheitsanforderungen und ein Sicherheitskonzept, das durch Simulationen und Tests abgesichert wird.

Crashsicherheit auf gleichem Niveau wie bei herkömmlichen PKWs

Das Fahrzeug soll ohne Batterie ein Gewicht von 400 Kilogramm erreichen und hat eine Nennleistung von 15 Kilowatt (max. Leistung 30 Kilowatt) – dadurch fällt das E-Auto unter die Zulassungsklasse L7e, die nur geringe Anforderungen an die Fahrzeugsicherheit stellt. Die gesetzlichen Standards sind hier zwar niedriger als in der üblichen Zulassungsklasse M1, aber die Kunden erwarten natürlich auch in einem Elektrofahrzeug maximale Sicherheit. Darum wird ein Konzept entwickelt, das in puncto Insassenschutz konkurrenzfähig zu herkömmlichen Pkw ist – nur dann werden Kunden Elektrofahrzeuge akzeptieren.

Um dieses Ziel zu erreichen, setzen die Entwickler auf das Zusammenspiel von aktiver und passiver Sicherheit. Dazu zählt eine innovative Leichtbaustruktur, die aus einem Aluminium-Spaceframe und Strukturbauteilen aus CFK- und -GFK-Materialien besteht. Die Auslegung und der Test von Systemen in Mischbauweise ist allerdings äußerst anspruchsvoll, weil derzeit nur wenige Materialmodelle für die Verbundwerkstoffe existieren, mit deren Hilfe sich ihr Crash-Verhalten simulieren lässt. Das CFK-Material hat einen großen Einfluss auf die Crash-Performance der Struktur. Derzeit ist darüber aber noch nicht genug bekannt – darum soll diese Frage im Förderprojekt besonders intensiv untersucht werden.

IAV und Daimler für Simulationen und experimentelle Überprüfung verantwortlich

IAV entwickelt gemeinsam mit Daimler das Konzept der Fahrzeugstruktur. IAV, Daimler und Autoliv sind für die integrale Fahrzeugsicherheit verantwortlich – dabei werden verschiedene Komponenten aktiver und passiver Sicherheitssysteme in das Fahrzeug integriert. Im abschließenden Entwicklungsschritt werden Experten von IAV zusammen mit Daimler das Sicherheitskonzept durch Simulationen verifizieren und mit Hilfe eines Fahrzeugdemonstrators experimentell überprüfen.

Das „Visionäre Mobilitätskonzept (Visio.M)“ wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 6,2 Millionen Euro gefördert (Gesamtbudget 10,8 Mio. Euro) und läuft seit März 2012. Projektende ist Juli 2014.

Über Visio.M:

An Visio.M beteiligen sich, neben den Automobilkonzernen BMW AG (Konsortialführer) und Daimler AG, die TU München als wissenschaftlicher Partner, sowie die Autoliv B.V.& Co.KG, die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt), die Continental Automotive GmbH, die E.ON AG, die Finepower GmbH, die Hyve AG, die IAV GmbH, die InnoZ GmbH, die Intermap Technologies GmbH, die LION Smart GmbH, die Neumayer Tekfor Holding GmbH, die Siemens AG, die Texas Instruments Deutschland GmbH und die TÜV Süd AG. Gefördert wird das Projekt im Rahmen des Schwerpunktprogramms „Schlüsseltechnologien für die Elektromobilität – STROM“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF).

Über IAV:

IAV ist mit mehr als 4.500 Mitarbeitern einer der weltweit führenden Engineeringpartner der Automobilindustrie. Das Unternehmen entwickelt seit über 25 Jahren innovative Konzepte und Technologien für zukünftige Fahrzeuge. Zu den Kernkompetenzen gehören serientaugliche Lösungen in allen Bereichen der Elektronik-, Antriebsstrang- und Fahrzeugentwicklung. Zu den Kunden zählen weltweit alle namhaften Automobilhersteller und Zulieferer. Neben den Entwicklungszentren in Berlin, Gifhorn und Chemnitz verfügt IAV über weitere Standorte in Europa, Asien sowie Nord- und Südamerika.