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Arbeiten in der xReality

Weltweite Kollaboration, neue Schulungsformen und der „Future Workplace“: IAV setzt auf Virtual und Augmented Reality

Telefon- und Videokonferenzen waren gestern, denn die Zukunft gehört xReality. Hinter dem Begriff verbergen sich die beiden Technologien Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR), und sie haben das Potenzial, die weltweite Kollaboration und Schulungen zu revolutionieren. Selbst der eigene Arbeitsplatz soll dank xReality bald nicht mehr wiederzuerkennen sein. IAV nutzt die neue Technologie für den gesamten Entwicklungsprozess.

Während die Teilnehmer bei einer Telefonoder Videokonferenz ihre Gesprächspartner als weit entfernt erleben, treffen sie sich bei einem xReality-Meeting in einem gemeinsamen virtuellen Raum. Ausgestattet mit VR-Brillen, können sie gemeinsam an 3-D-Modellen arbeiten, alle Beteiligten als Avatare wahrnehmen und miteinander sprechen. „Dadurch sieht jeder Teilnehmer, wo sich die anderen befinden, welches Detail sie gerade betrachten und welche Änderungen sie wünschen“, erklärt Christopher Wolf, Senior Vice President Business Development & Virtual Engineering sowie Product Owner des xR-Teams bei IAV. „So lassen sich die jeweils aktuellsten Fahrzeugmodelle live und standortübergreifend gemeinsam bearbeiten – natürlich immer über eine sichere End-to-EndVerbindung.“ Pilotprojekte mit bis zu vier IAVStandorten haben bewiesen, dass die neue Technologie in der Praxis problemlos funktioniert. In diesem Jahr wird am IAV-Entwicklungszentrum in Gifhorn das „xReality Lab“ eröffnet, um auf einer großen Fläche mit den anderen Standorten virtuell zusammenzuarbeiten.

In der virtuellen Welt können Entwickler schon frühe Konzepte neuer Fahrzeuge sehr realitätsnah erleben. „Man kann zum Beispiel um das Modell herumgehen, die Tür öffnen, sich hineinbegeben und aus dem Fenster schauen“, sagt Anna Lena Wolf, Scrum Master im xR-Team von IAV. „Die Teilnehmer können Abstände messen, verschiedene Farben ausprobieren oder Lichtszenarien testen.“ Dabei geht nichts verloren, was während des xR-Meetings besprochen wird: Film- und Fotoaufnahmen sowie Kommentare dokumentieren alle Änderungen.

Brücke zwischen CAD-Tools und Visualisierungs-Software

Voraussetzung für die neue Art der Kollaboration sind speziell ausgestattete xR-Räume, in denen Tracker und andere Sensoren die Bewegungen der Teilnehmer aufzeichnen und in den virtuellen Raum übertragen. Außerdem muss man eine Brücke zwischen den Daten in den CAD-Tools der Entwickler und den Visualisierungs-Werkzeugen aus der Spielewelt schlagen, die die digitalen Treffpunkte erzeugen. „Hier haben wir viel Know-how aufgebaut und können heute selbst abstrakte Größen gut visualisieren“, berichtet Lars Grotehenne, Scrum Master im xR-Team von IAV.

„So lässt sich beispielsweise der Energiefluss im Fahrzeug durch Farben darstellen, die sich je nach der aktuellen Bedatung in Echtzeit ändern.“ Eine große Herausforderung gibt es aber noch: Während Änderungen an den CAD-Daten automatisch an die Visualisierungs-Software übertragen werden, ist das umgekehrt derzeit nicht der Fall. Erst in zwei oder drei Jahren dürfte es möglich sein, Anpassungen am xR-Modell direkt zurück in die CAD-Tools einzuspeisen.

Schulungen sind ein weiteres Einsatzgebiet für xR. Schon lange ist bekannt, dass aktives Lernen wesentlich effektiver ist als das passive Aufnehmen der Inhalte. Dank xR-Technologie eröffnen sich hier völlig neue Möglichkeiten – denn in einem virtuellen Raum lassen sich beliebige Umgebungen und Szenarien darstellen, zugleich können alle Teilnehmer aber nach wie vor die Mimik und das Verhalten der anderen beobachten. Im Rahmen einer Compliance-Schulung könnte ein Mitarbeiter beispielsweise per VR in ein fernes Land versetzt werden, um zu lernen, wie man mit Geschenken eines Geschäftspartners umgeht.

Messeauftritte lassen sich ganz ohne reale Prototypen bestreiten – dank Virtual und Augmented Reality können die Besucher künftige Produkte in allen Einzelheiten betrachten und sogar ins Innere hineinschauen.

Techniker in der Werkstatt bekommen durch xR die Möglichkeit, sich frühzeitig mit neuen Motoren vertraut zu machen oder sich durch eine Reparatur führen zu lassen – in diesem Fall mithilfe von AR: Auf die Displays von Tablets und Smartphones oder in das Blickfeld von Smartglasses werden virtuelle Zusatzinformationen zu einzelnen Komponenten in die reale Welt eingeblendet. Schulung und Ausbildung, Service und Wartung sowie die Mängel- und Schadensdokumentation profitieren davon.

Eintauchen in den „Future Workplace“

Auch für den Arbeitsplatz der Zukunft haben die xR-Spezialisten bei IAV eine Vision. Der „Future Workplace“ soll es dank WLAN und VRBrille ermöglichen, überall und zu jeder Zeit in die virtuelle Arbeitswelt einzutauchen. Vor seinem Auge und auf einem attraktiven Hintergrund kann der Mitarbeiter dann alle bekannten Werkzeuge sehen, die heute seinen Desktop zieren – zum Beispiel Office-Programme, Notizen, To-do-Listen oder Skype. Schon 2019 sollen Skype-Konferenzen möglich sein, weiterhin folgen Gestensteuerung und textuelle Eingabemöglichkeiten. In fünf bis acht Jahren könnte es dann so weit sein: Die komplette Microsoft-Welt steht im „Future Workplace“ zur Verfügung. „In Zukunft tauche ich von einem schönen Ort aus in die Unternehmenswelt ein, kann mit meinen Kollegen in Kontakt bleiben und wichtige Informationen abrufen – egal, ob ich mich in meinem Garten oder am Strand befinde“, beschreibt Wolf das Arbeiten der Zukunft. „Und wenn ich fertig bin, tauche ich dort wieder auf und lasse die erledigte Arbeit hinter mir.“

Einsatzgebiete für xR gibt es also mehr als genug. IAV wird die neue Technologie künftig während des gesamten Produktentstehungsprozesses verwenden, von der Darstellung und Abnahme von verschiedenen Konzepten über Einbau- und Ausbau-Untersuchungen und Simulationen bis hin zur Montagelinie sowie Service und Wartung. Die Kollaboration im virtuellen Raum kann beginnen.

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