504 Jobs

Bewegungswunder – Rolling Chassis für autonom fahrendes Shuttle

Mit dem Konzeptfahrzeug „Mover“ zeigt Schaeffler, wie urbane Mobilität in Zukunft aussehen könnte. Das Shuttle steckt voller neuer Technologien und ungewöhnlicher Lösungen – zu denen auch die Fahrwerksexperten der IAV-Tochter TRE einiges beigetragen haben. Das gelang nur, weil die Experten an vielen Stellen Neuland betreten haben.

Bis zu vier Personen kann der Schaeffler Mover mit maximal 70 Stundenkilometern befördern. Natürlich mit E-Antrieb. Das ist nicht die einzige innovative Technik in dem Shuttle: Zwar wird er heute noch per Joystick gesteuert, aber der Mover ist bereits für das vollautomatisierte und fahrerlose Fahren vorbereitet. Auch das Chassis ist alles andere als konventionell: Dank der völlig neu konzipierten Radaufhängung kann das Shuttle seitlich einparken, auf der Stelle wenden und bisher unmögliche Ausweichmanöver fahren.

Bernhard Mattes (Präsident des Verbands der Automobil-Industrie VDA) testet mit Aufsichtsrats-Chef Georg Schaeffler und TRE-Anteilseigner Nico Rosberg den Schaeffler Mover auf der CES 2019 in Las Vegas.

Für die Entwicklung und Auslegung des Rolling Chassis holte Schaeffler die Experten der IAV-Tochter TRE an Bord, die ihr gesamtes Know-how in das Projekt einbrachten. Sie mussten ein neues und extrem kompaktes Fahrwerkslayout realisieren, das zudem noch mit einer Vielzahl von Aufbauten zurechtkommen muss – denn neben einem Modul für den Personentransport lässt sich der Mover zum Beispiel mit Modulen für Paketlieferdienste, Cargo-Varianten und Ähnliches ausstatten.

Intelligentes Radmodul mit drehbaren Rädern

Eine besondere Herausforderung war das kompakte Antriebsmodul „Intelligent Corner Module“, in dem Radnabenmotor, Bremse, Federung, Dämpfung und Lenkung integriert sind. Vier davon sind in das Fahrzeug eingebaut und machen das Shuttle zum echten Bewegungswunder: Jedes Rad lässt sich während der Fahrt um 45 Grad einschlagen und beim Einparken sogar um bis zu 90 Grad, sodass der Mover beispielsweise seitlich einparken kann. „So etwas hatten wir bisher noch nicht einmal simuliert“, berichtet Eckardt Döhrer, Geschäftsführer von TRE. „Wir mussten zum Beispiel bei diesem Manöver völlig neue Effekte für die Fahrstabilität berücksichtigen: Die Spurweite ist plötzlich sehr groß, während der Radstand extrem gering wird. Das hat große Auswirkungen, unter anderem auf das Nicken des Fahrzeugs, sodass wir die Federung und Dämpfung daran anpassen mussten.“

TRE ist eines der führenden Unternehmen im Bereich der Fahrwerksentwicklung. Die TRE GmbH arbeitet für viele namenhafte Automobilhersteller und bringt ihre Erfahrungen aus dem Motorsport in Serienprojekte ein.

Im Zuge der Technologiepartnerschaft mit Schaeffler war TRE unter anderem für die Berechnung sowie die Mehrkörpersimulation der Corner-Module und des Gesamtfahrzeugs verantwortlich, wobei insbesondere Fahrdynamik, Sicherheit und Komfort im Fokus waren. Zudem lieferte das Unternehmen auch Teile der Hardware des Radmoduls, das viele ausgefallene Gussteile und eine aufwendige Verkabelung enthält.

Ein solches Fahrzeug gab es bisher noch nicht, sodass das Projekt extrem herausfordernd war.

Eckardt Döhrer — Geschäftsführer der TRE GmbH

„Wir haben das gesamte Fahrwerk neu gedacht und mussten viele neue Ansätze finden, zum Beispiel bei der Auslegung. Außerdem gab es keine Referenzen oder Benchmarksysteme – wir mussten darum ständig neu- und querdenken“, berichtet Döhrer.

Schaeffler präsentierte den Mover erstmals auf der CES 2019 in Las Vegas und wird das Konzeptfahrzeug auch auf der IAA Pkw im September in Frankfurt/Main zeigen. Bei der Weltpremiere in den USA war auch TRE-Anteilseigner Nico Rosberg mit dabei, für den mit dem Projekt „ein kleiner Traum“ in Erfüllung ging: „So ein spannendes Projekt hatten wir noch nie in unseren Hallen“, so der ehemalige Formel-1-Weltmeister.


Der Artikel erschien in der automotion 02/2019, dem Automotive Engineering-Fachmagazin von IAV. Hier können Sie die autmotion kostenfrei bestellen.