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„Das Auto stellt sich automatisch auf persönliche Vorlieben ein“

IAV stellte auf der CES ein cloudgestütztes Konzept für individuelle Behaglichkeit vor

Mühelos zur Wohlfühlatmosphäre: Statt vor jeder Fahrt die Klimaanlage einstellen zu müssen, können sich die Passagiere in Zukunft in puncto Behaglichkeit voll auf ihr Auto verlassen. Jan Ackermann, Fachbereichsleiter Energie und Konzepte, erklärt im automotion-Interview, wie Fahrzeuge ihre Insassen automatisch erkennen und ihnen eine individuelle Klimazone bieten können. Auf dem IAV-Messestand auf der CES (Consumer Electronics Show) war sogar ein Schrank zu sehen, der den Besuchern bei der Kleiderauswahl half.

Jan Ackermann, Fachbereichsleiter Energie und Konzepte bei IAV

Die Behaglichkeit ist ein wichtiger Komfortaspekt im Fahrzeug. Auf welche neuen Funktionen können sich die Passagiere hier in Zukunft freuen?

Ackermann: Ich habe eine klare Vision: Künftig sollen die Fahrzeuginsassen überhaupt nicht mehr manuell eingreifen müssen, um sich eine optimale Wohlfühlatmosphäre zu schaffen. Stattdessen stellt sich das Auto automatisch auf ihre persönlichen Vorlieben ein, wobei es zugleich aktuelle Informationen wie die Bekleidung der Passagiere, das Wetter oder die Sonneneinstrahlung berücksichtigt. Das betrifft nicht nur die Konditionierung der Innenraumluft, sondern auch Funktionen wie Sitz- und Lenkradheizung, die Heizung von körpernahen oder Kontaktflächen wie den Armauflagen und die Sitzbelüftung. Während man heute alles separat ansteuern muss, soll das künftig ganz individuell aus einer integrierten Regelung heraus erfolgen.

Wie lässt sich ein solches Szenario realisieren?

Ackermann: Wir haben dafür ein Konzept entwickelt, das sich auf ein individuelles Profil aus der Cloud stützt, aber auch ohne Internetverbindung die Grundfunktionen gewährleistet. Jeder Nutzer gibt zu Beginn einmalig seine persönlichen Vorlieben bekannt – etwa ob er es lieber kühl oder eher warm mag oder ob er zu kalten Händen bzw. Füßen neigt. Wenn er dann in sein Fahrzeug einsteigt oder das Fahrzeug wechselt, wird er automatisch über sein Smart Device erkannt. Vor allem zu Beginn dürfte es zwischen den individuellen Vorlieben und dem aktuellen Innenraumklima zu Abweichungen kommen. In diesem Fall kann der Passagier mithilfe unserer einfach zu bedienenden Benutzeroberfläche nachjustieren. Das System lernt permanent aus diesen Korrekturen und weiß am Ende sehr präzise, was es unter welchen äußeren Randbedingungen zu tun hat.

Was geschieht, wenn mehrere Passagiere im Fahrzeug sitzen?

Ackermann: Unser System erkennt, welcher Passagier auf welchem Platz sitzt. So kann es für jeden Fahrgast eine individuelle Klimazone schaffen. Dabei haben wir übrigens auch an Kinder gedacht: Auf der CES 2018 in Las Vegas hat IAV erstmals einen Kindersitz mit integrierter Heizung und Belüftung gezeigt, der mit dem Fahrzeug Energie und Informationen austauscht und voll in unser System für optimale Behaglichkeit integriert ist.

Wie haben Sie diese neuen Funktionalitäten auf der CES erlebbar gemacht?

Ackermann: Wir haben unser cloudgestütztes Konzept für individuelle Behaglichkeit in ein Demofahrzeug integriert und konnten unseren Messebesuchern einen typischen Ablauf demonstrieren. Auf einer Sitzecke konnten sie zuerst über ein iPad ihr individuelles Behaglichkeitsprofil erstellen. Danach hatten sie die Möglichkeit, über das Tablet eine Fahrtroute anzulegen. Im nächsten Schritt ging es zu einem vernetzten Kleiderschrank, der den Messebesuchern aufgrund der vorgegebenen Route und des aktuellen Wetters passende Kleidung empfohlen hat. In unserem Demofahrzeug wurden sie dann schließlich persönlich begrüßt, und das System erzeugte automatisch die gewünschte Wohlfühlatmosphäre – wobei es auch das ausgewählte Kleidungsstück berücksichtigt hat. Zum Ende ihrer kleinen Tour an unserem Stand konnten die Besucher auf dem iPad den Energieverbrauch und die Kosten der gerade gewählten Einstellungen abrufen und interaktiv Alternativen durchspielen.

Vielen Dank für das Gespräch!