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„Große Chance für Premium-Entwicklungspartner“

IAV China wächst stark. Darum ist das Unternehmen im Januar an einen neuen Standort in Shanghai gezogen, der Raum für weitere Mitarbeiter und Infrastruktur bietet. Im automotion-Interview berichtet Kaweh Feyzi, Geschäftsführer von IAV China, über die aktuellen Trends im Reich der Mitte und seine Zukunftspläne.

Herr Feyzi, warum wurde der Umzug an einen neuen Standort nötig?

Kaweh Feyzi: Weil wir in den letzten Jahren stark gewachsen sind und für unser strategisches Wachstum neben modernen Arbeitsplätzen auch Werkstattflächen benötigen. Von 2011 bis heute hat sich die Zahl unserer Mitarbeiter fast verdreifacht. Und das wird voraussichtlich so weitergehen: 2023 werden wir rund 400 Mitarbeiter in China beschäftigen. Wir verfügen an unserem neuen Standort über rund 1.000 Quadratmeter Bürofläche und 500 Quadratmeter für Werkstatt und Labor. Der Platz wird dieses Jahr ausreichen, aber 2020 werden wir wahrscheinlich die nächste Etage anmieten. Wir können also wie geplant schrittweise wachsen und unser Ziel erreichen: Wir wollen in China der technologische Premiumpartner für innovative Themen sein. Neben dem Wachstum unserer Belegschaft werden wir dafür auch unsere Kompetenzen ausbauen.

Mit welchen Kompetenzen wollen Sie in China neue Kunden gewinnen?

Feyzi: Wir wollen unsere Schwerpunkte in fünf Kompetenzzentren bündeln: Powertrain, also Motor- und Getriebeentwicklung sowohl für konventionelle als auch für elektrische Antriebe inklusive Batterieentwicklung, Connectivity unter Berücksichtigung von HMI und Infotainment-Systemen, hochautomatisiertes Fahren, Fahrwerk sowie Body & Safety.

Wie arbeiten Sie bei Ihren Projekten mit den Kollegen in Deutschland zusammen?

Feyzi: Das ist ganz unterschiedlich und hängt vom jeweiligen Projekt ab. Einige bearbeiten wir mit unserer eigenen Mannschaft komplett in China, einige sind relativ gleich aufgeteilt, bei anderen wiederum übernehmen die Kollegen in Deutschland einen größeren Teil. Unser Ziel ist, den Anteil der lokalen Abarbeitung der Projekte mit lokalen Kompetenzen weiter stetig zu steigern.

Wie schwierig ist es, in China die nötigen Fachkräfte zu gewinnen?

Feyzi: Pro Jahr verlassen zwar viele Jungakademiker die chinesischen Unternehmen, trotzdem ist es wegen der hohen Nachfrage auch hier schwierig, unseren Bedarf zu decken. Darum suchen wir auch in anderen Ländern – darunter Deutschland – nach neuen Mitarbeitern. Und wir suchen den Austausch mit den Universitäten, um Studenten auf uns aufmerksam zu machen. Unser neuer Standort ist dafür besonders gut geeignet: Er liegt nicht nur in Kundennähe, sondern auch nahe bei von der renommierten Tongji-Universität entfernt. Wir pflegen einen regen Austausch mit den Professoren dort und wollen die Zusammenarbeit weiter ausbauen. Neben neuen Mitarbeitern ist es aber genauso wichtig, die bestehenden Kollegen langfristig an uns zu binden. Daher haben wir bereits einige Maßnahmen eingeleitet und weitere sind in Evaluierung, um uns zu dem Top-Arbeitgeber im Automotive-Engineering-Bereich in China zu entwickeln.

Welche Trends und Themen prägen derzeit den Markt in China?

Feyzi: Die Verkaufszahlen sind bis 2017 ständig bis auf 24,7 Millionen Fahrzeuge pro Jahr gestiegen. Letztes Jahr gab es dann einen Rückgang um zehn Prozent. Gleichzeitig steigt aber der Anspruch an die Qualität der Produkte. Das ist eine große Chance für uns als Premium- Entwicklungspartner.

Gefragt ist derzeit Know-how auf den Gebieten E-Mobilität, Batterieentwicklung, hochautomatisiertes Fahren, Connectivity und Mobilitätskonzepte.

Kaweh Feyzi — Geschäftsführer von IAV China

China gilt ja als Pionier der E-Mobilität. Wie zeigt sich das in den Straßen?

Feyzi: China ist uns hier tatsächlich weit voraus. Im gesamten Land gibt es bereits 1,3 Millionen E-Fahrzeuge und mehr als 700.000 Ladestationen. In Shenzhen sind schon heute alle Busse im öffentlichen Nahverkehr und 99 Prozent aller Taxen elektrisch. Bis 2025 sollen 20 Prozent aller Privatfahrzeuge elektrisch angetrieben sein – das ist Teil der Initiative „Made in China 2025“, bei der es um den Umbau der chinesischen Industrie in Richtung Hightech geht. Das Land hat sich auch frühzeitig wichtige Ressourcen wie Kobalt gesichert, die für die Batterieherstellung unverzichtbar sind.

Wie stark ist der Wettbewerb durch einheimische Unternehmen?

Feyzi: Es gibt außer uns natürlich auch andere Entwicklungspartner, sowohl aus China als auch aus westlichen Ländern. Ich sehe viele der einheimischen Unternehmen nicht so sehr als Konkurrenten, sondern eher als mögliche Partner. Es gibt zum Beispiel viele Startups aus der IT-Branche, die viel von Software, aber wenig von Fahrzeugen verstehen. Sie kennen die Herausforderungen der Automobilbranche nicht, sodass sich hier eine Zusammenarbeit mit uns anbietet.

Welche Rolle wird China in Zukunft in der Automobilentwicklung spielen?

Feyzi: Früher haben wir zum größten Teil in Europa entwickelt und in China lokalisiert. Heute entwickeln wir in China für China. In Zukunft werden in China viele neuen Technologien – teilweise – für den Rest der Welt entwickelt. Das Land bietet ein gutes Umfeld, um neue Dinge auszuprobieren. Die Menschen sehen Innovationen sehr positiv, und das Tempo ist höher – das beginnt schon beim ersten Ideenaustausch und setzt sich bis zum Projektende fort.


Das Interview erschien in der automotion 02/2019, dem Automotive Engineering-Fachmagazin von IAV. Hier können Sie die autmotion kostenfrei bestellen.