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Langeweile auf der Rückbank war gestern

Spannende Aussichten für die Mobilität der Zukunft mit Side Window Entertainment

Das Seitenfenster macht Karriere: Durch die IAV-Entwicklung „Side Window Entertainment“ wird es zum Augmented-Reality-Display und bietet in Zukunft viel mehr als nur schöne Aussichten – zum Beispiel Informationen über Sehenswürdigkeiten längs der Strecke oder die Möglichkeit, mit den Passagieren in anderen Fahrzeugen Spiele zu spielen. Zwei Kameras machen es möglich: Eine Außenkamera filmt, was gerade am Fahrzeug vorbeizieht, während eine 3-D-Innenkamera gleichzeitig die Blickrichtung des Insassen verfolgt. Mithilfe der GPS-Daten des Fahrzeugs und automatischer Objekterkennung weiß das System dadurch immer ganz genau, was sich der Fahrgast gerade ansieht. Ein transparentes OLED-Display auf der Seitenscheibe markiert die Sehenswürdigkeiten mit kleinen Touchpoints, die den Objekten während der Fahrt folgen. Drückt der Passagier darauf, sieht er Informationen zum ausgewählten Objekt, die das System aus dem Internet (zum Beispiel von Wikipedia) bezieht.

Und das ist noch längst nicht alles, was das Side Window Entertainment in Zukunft bieten könnte. Bald soll es auch Restaurants oder Kinos markieren, sodass man durch eine Berührung des Touchpoints eine Reservierung vornehmen oder Kinokarten bestellen kann. Denkbar ist auch eine „X-Ray-Ansicht“: Wie bei einer Röntgenaufnahme soll man hier ins Innere eines Gebäudes sehen können – indem zusätzliche Informationen auf das reale Bild gelegt werden. „Man könnte zum Beispiel darstellen, wo genau im Berliner Fernsehturm die Aufzugsschächte verlaufen“, berichtet Daniel Danz, Abteilungsleiter Navigation und hybride Multimediafunktionen bei IAV. „Oder man zeigt, wo in einem Einkaufszentrum die einzelnen Geschäfte sind.“ Auch diese Daten wird die IAVLösung aus öffentlichen Quellen im Internet beziehen. Selbst für Unterhaltung im Stau wollen die IAV-Entwickler mit dem Side Window Entertainment sorgen: Stehen zwei Fahrzeuge nebeneinander und sind miteinander vernetzt, ließen sich die Scheiben für das Spiel „Tic-TacToe“ nutzen. Nach ihrem Auftritt auf dem Kongress für Automobilelektronik 2018 in Ludwigsburg haben Danz und seine Kollegen das System auch auf der CES 2019 in Las Vegas gezeigt. Messebesucher konnten in einem nachgestellten Fahrzeuginnenraum durch ein transparentes Display nach „außen“ schauen, wo ein zweiter Monitor die Videoaufnahme einer Fahrt durch Berlin zeigte. Wie im realen Betrieb folgte der Touchpoint allen Kopfbewegungen und zeigte nach einem Druck mit dem Finger Informationen über den Reichstag, den Hauptbahnhof oder den Fernsehturm. „Alles fühlte sich an wie im Auto“, freut sich Danz. „Kein Wunder, dass unser Demonstrator bei den Besuchern der CES 2019 sehr gut ankam.“

Neues Alleinstellungsmerkmal für OEMs

Das Side Window Entertainment könnte in zwei bis drei Jahren in Serie gehen und OEMs ein neues Alleinstellungsmerkmal verschaffen. „Künftig werden sich Fahrzeuge auch durch das Entertainment-Angebot an Bord voneinander unterscheiden, wobei mit transparenten OLED-Displays ausgestattete Scheiben eine wichtige Rolle spielen werden“, so Danz. Neben der Anreicherung der Umgebung mit Informationen können sie auch genutzt werden, um beispielsweise Office-Anwendungen oder Lern-Apps anzuzeigen. In autonomen Fahrzeugen ließe sich zusätzlich die Frontscheibe nutzen – etwa als Leinwand, um während der Fahrt Filme anzusehen.

Die neuen Entertainment-Möglichkeiten müssen nicht auf Pkw beschränkt bleiben. Auch in Sightseeing-Bussen, Zügen, Schiffen oder Flugzeugen können sie dem Reiseerlebnis eine zusätzliche Dimension hinzufügen. Zudem soll sich das Side Window Entertainment künftig in ganzen Mobilitätsketten nutzen lassen: Reisende können dann in Bussen, Bahnen und Carsharing-Fahrzeugen Filme oder Spiele durchgehend verwenden.

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