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Barcamp und Ideenfindung statt Frontalvortrag: Beim KI-Festival von IAV sind Lösungen und Produktideen entstanden

Die KI-Community von IAV trifft Experten aus der Berliner KI-Szene: Beim KI-Festival am 14. und 15. November 2018 haben sich rund 100 Teilnehmer im Digital Lab von IAV vernetzt und gemeinsam neue Lösungen entwickelt. Dr. Mirko Knaak, Product Owner künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen im Digital Lab von IAV, und Tobias Niewolik, Agile Master im Digital Lab, berichten im automotion-Interview über die Veranstaltung und die Rolle neuer Formate wie Barcamps für Konferenzen sowie über die Entwicklungsarbeit.

Dr. Mirco Knaak

Was ist die Idee hinter dem KI-Festival?

Tobias Niewolik: Bei IAV gibt es eine große interne KI-Community aus vielen Experten. Für einen besseren internen Austausch haben wir bereits zweimal eine ganz ähnliche Veranstaltung durchgeführt – mit großem Erfolg. Dieses Mal wollten wir uns nach außen öffnen und die IAV-Spezialisten mit externen Experten zusammenbringen. Am ersten Tag gab es dafür ein Barcamp: Dabei ging es nicht darum, eigene Lösungen vorzustellen – stattdessen haben die Teilnehmer Fragestellungen mitgebracht, für die sie Hilfe und neuen Input brauchten. Am zweiten Tag stand die Ideenfindung im Mittelpunkt, wir nennen das „Creative Ideation“.

Wie genau liefen die beiden Tage ab?

Dr. Mirko Knaak: Am ersten Tag konnte jeder Teilnehmer sein Thema vorstellen, mit anderen diskutieren und eventuell bereits sofort an einer Lösung arbeiten. Einer meiner Kollegen hat beispielsweise eine Aufgabe aus dem Bereich Text-Mining präsentiert. Externe Teilnehmer wiesen sofort auf eine bestehende OpenSource-Lösung hin, woraufhin man sich gemeinsam an die Programmierung machte. Andere Teilnehmer haben sich parallel dazu einschlägige wissenschaftliche Veröffentlichungen angesehen und die Methode analysiert. So ist nicht nur in gemeinsamer Arbeit eine Lösung entstanden, sondern auch neues Wissen über diesen Bereich.
Niewolik: Um die Zusammenarbeit der Teilnehmer während des Barcamps etwas zu strukturieren, haben wir am ersten Tag vier Bühnen aufgebaut. Im „Paper Club“ konnte man wissenschaftliche Themen diskutieren und gemeinsam lernen. Die Bühne zu Open Source bot die Möglichkeit, quelloffene Software zu präsentieren und anderen zur Verfügung zu stellen. In der „AI Clinic“ konnte jeder Teilnehmer ein Problem aus dem Bereich künstliche Intelligenz vorstellen und gemeinsam mit anderen lösen. Und wer ein Thema sofort am Computer bearbeiten wollte, war auf der Bühne zum Thema „Hacking“ am besten aufgehoben.

Was passierte am zweiten Tag?

Dr. Knaak: Wir wollten gemeinsam mit allen Teilnehmern neue Produktideen aus dem Bereich künstliche Intelligenz entwickeln. Jeder konnte ein Thema vorschlagen und sich Mitstreiter dafür suchen. Sechs Kreativmoderatoren haben die Gruppen bei der Arbeit begleitet, und am Ende sind aus einer großen Menge von Ideen tatsächlich acht konkrete Vorschläge entstanden. Drei davon bekamen einen Preis: eine Smarthome-Software, die auf Basis der individuellen Lebensgewohnheiten selbst erzeugten Strom verbraucht, speichert oder auf dem Energiemarkt verkauft; die Plattform „Data Castle“, die bei Unternehmen wie Facebook nach gespeicherten persönlichen Daten fragt, diese strukturiert und nur dem Nutzer zugänglich ablegt, um ihm die Kontrolle über seine Daten zu geben, und gegebenenfalls ihre Löschung beantragt; und die Software Sherlock für eine bessere Diagnose und Behandlung komplexer Krankheiten – eine Anspielung auf die IBM-Lösung Watson, die ein ähnliches Ziel hat. Daneben haben aber auch alle anderen Teams die Möglichkeit, sich bei IAV um die Finanzierung ihrer Idee zu bewerben.

Was haben Sie beim KI-Festival gelernt?

Niewolik: Vielen Teilnehmern des Barcamps konnten wir tatsächlich enorm weiterhelfen, etwa durch neue Lösungsansätze für ihre Probleme. Das hatten wir schon bei unseren internen Veranstaltungen festgestellt, aber durch die externen Experten kamen noch mal völlig neue Sichtweisen hinzu – sie sehen die Herausforderung eben nicht durch die Brille der Automobilindustrie.

Dr. Knaak: Einer der Teilnehmer hat mich gefragt: „Haben klassische Frontalvorträge überhaupt noch eine Zukunft?“ Ich denke, dass sich hier in Zukunft tatsächlich vieles verändern wird. IAV wird jedenfalls auf seinen nächsten Veranstaltungen auch Open-Space-Formate wie Barcamps nutzen, damit sich die Teilnehmer stärker aktiv einbringen können.

Zusammenarbeit bedeutet ja auch, Ergebnisse miteinander zu teilen. Kann das bei Unternehmen funktionieren, die miteinander im Wettbewerb stehen?

Dr. Knaak: Natürlich gibt es in der klassischen Autowelt noch immer viele hohe Mauern. Das führt aber auch dazu, dass vieles parallel entwickelt wird, was sehr ineffizient ist. Hier kann man viel von der digitalen Welt lernen, die grundlegend anders funktioniert: Ungefähr 80 Prozent der Software ist Open Source, den Rest baut jeder Nutzer auf dieser Basis auf. Man muss also nicht alles von Grund auf selbst entwickeln, sondern kann sich auf seinen spezifischen Teil konzentrieren. Umgekehrt sollten sich die Nutzer aber auch an den Open-Source-Projekten beteiligen und dabei eigenes Wissen einbringen. Am Ende profitieren alle davon.

Wann wird das nächste KI-Festival stattfinden?

Niewolik: Wir planen die nächste Veranstaltung im Mai 2019. Dann erwarten wir rund 300 Teilnehmer, darunter wieder viele externe Experten. Das Format des KI-Festivals wollen wir nach den positiven Erfahrungen beibehalten.