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„Von den Erfahrungen anderer Branchen lernen“

Dem Virtual Engineering gehört die Zukunft – IAV setzt dabei auf den Austausch mit Anwendern aus anderen Branchen

Seit Oktober 2017 ist IAV Mitglied des Virtual Dimension Centers (VDC). VDC-Geschäftsführer Professor Dr. Christoph Runde, Stefan Schmidt, Chief Digital Officer von IAV, und Christopher Wolf, Fachbereichsleiter Business Development und Virtual Engineering, sprechen über das Potenzial von Virtual Reality, Augmented Reality und Mixed Reality in der Automobilindustrie – und darüber, was die Entwickler beispielsweise von Architekten lernen können.

Herr Professor Runde, was ist die Aufgabe des VDC?

Runde: Durch die Vernetzung unserer Mitglieder wollen wir die gesamte Wertschöpfungskette rund um Virtual Reality (VR), Aug- mented Reality (AR) und Mixed Reality (MR) abbilden. Zu unserem Netzwerk gehören darum Labore für Forschung und Entwicklung sowie Ausbildung, Hersteller von Hard- und Software, Endanwender aus völlig unterschiedlichen Branchen, Unternehmensberatungen, Banken sowie Multiplikatoren wie etwa Industrieverbände und Fachverlage. Neben der Vernetzung ist der Technologietransfer der zweite Schwerpunkt unserer Arbeit: Wir wollen insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen dabei helfen, durch die neuen Technologien ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Im VDC können sie lernen, mit VR, AR und MR effektiv zu arbeiten und Fehler zu vermeiden, die andere Unternehmen in der Vergangenheit bereits gemacht haben.

Welchen Vorteil verspricht sich IAV von Virtual Engineering und von der Mitgliedschaft im VDC?

Wolf: Seit einigen Jahren sprechen wir in der Automobilbranche von der prototyparmen oder gar prototypfreien Entwicklung mithilfe des Virtual Engineerings. Dafür sind neue Visualisierungstechnologien wie VR, AR und MR für unsere Entwickler unverzichtbar. Im VDC wollen wir mit anderen Unternehmen kooperieren, damit wir nicht das gesamte Wissen neu erarbeiten müssen – beispielsweise rund um die benötigte Hard- und Software. Der Aufwand lohnt sich: Die virtuellen Entwicklungsmethoden haben das Potenzial, in kürzerer Zeit und zu geringeren Kosten bessere Konstruktionen hervorzubringen. Mit VR, AR und MR können wir die Entwicklungsstände öfter überprüfen und frühzeitig wichtige Fragen beantworten: Erfüllt das neue Bauteil alle Anforderungen? Stimmt die Optik? Haben wir uns für die richtigen Oberflächen entschieden? So erhalten wir ein schnelleres Feedback und bemerken Probleme nicht erst, wenn der Prototyp fertig ist.

Schmidt: Aufgrund all dieser Vorteile haben wir bei IAV eine Roadmap zu den Themen VR, AR und MR sowie deren Einsatz im weltweiten Entwicklungsprozess der Automobilindustrie aufgestellt. Bereits heute nutzen wir ein firmeninternes Netzwerk aus VR-Räumen, zudem planen wir Arbeitsplätze mit VR- bzw. AR-Brillen, internationale virtuelle Räume zur gemeinsamen Nutzung sowie die Qualifizierung der benötigten Hard- und Software. Entscheidend ist dabei, dass wir während der Entwicklung die Brücke zwischen den hochpräzisen CAD-Daten aus der Konstruktion und den Game-Engines der Virtual Reality schlagen, die weniger auf Präzision, sondern vielmehr auf eine schnelle Bildfolge ausgelegt sind. Auch in diesem Bereich können wir durch unsere VDC-Mitgliedschaft sicher noch viel lernen.

Im VDC sind Unternehmen aus ganz unterschiedlichen Branchen vertreten. Mit welchen Anwendungsfällen beschäftigen sich Ihre Mitglieder?

Runde: Das ist ganz unterschiedlich und zeigt das breite Spektrum an Anwendungsmöglichkeiten, das virtuelles Engineering hat. Im Handel geht es beispielsweise darum, neue Shoparchitekturen zu untersuchen oder die Montage neuer Märkte im Ausland zu optimieren. Für den Maschinenbau ist Augmented Reality besonders interessant: Damit kann ein Spezialist in der Unternehmenszentrale einen Servicetechniker beim Kunden live und über weite Entfernungen hinweg unterstützen. In der Medizin stehen das Training von chirurgischen Eingriffen und die Handhabung neuer Geräte im Mittelpunkt. Architekten können neue Gebäude virtuell aufbauen. Und die Textilindustrie kann dank Virtual Engineering mit virtuellen Prototypen arbeiten – von der ersten Skizze bis zum endgültigen Schnittmuster.

Was können Automobilhersteller und -entwickler von diesen Nutzern aus anderen Branchen lernen?

Schmidt: Wir können von den Erfahrungen mit AR und MR in anderen Branchen profitieren. Zum Beispiel für das Fahrertraining oder den Service in der Werkstatt: Hier geht es unter anderem darum, welche Informationen man zu welchem Zeitpunkt in das Sichtfeld des Nutzers einspiegelt. Darüber haben sich Experten in anderen Branchen bereits viele Gedanken gemacht, und genau davon wollen wir durch unsere Mitgliedschaft im VDC profitieren.

Wolf: Auch in den Bereichen Fahrzeugsicherheit und Insassenschutz gibt es viele Anknüpfungspunkte. In autonomen Fahrzeugen werden die Passagiere völlig andere Positionen einnehmen als heute. Das können wir mit klassischen Dummys nur sehr schlecht abbilden. Wir brauchen darum ein digitales Menschenmodell, das quasi als „virtueller Dummy“ dient und die Bewegungsabläufe des Menschen simuliert. Auch das Verhalten von Oberflächen bei unterschiedlichen Beleuchtungsbedingungen ist ein wichtiges Thema für uns – hier können wir uns sehr gut mit den Architekten im VDC austauschen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Prof. Dr. Christoph Runde

VDC-Geschäftsführer

Christopher Wolf

Fachbereichsleiter Business Development und Virtual Engineering bei IAV

Stefan Schmidt

Chief Digital Officer bei IAV

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