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Zurück in die Zukunft 4.0

Im Entwicklungszentrum in Chemnitz/Stollberg hat IAV das Getriebe für das historische Fahrzeug Horch 14/17 PS aus dem Jahr 1904 rekonstruiert. Grundlage für den Nachbau waren alte Prospekte, Skizzen und Fotos der Einzelteile. Das Getriebe wurde dem Förderverein des Horch-Museums in Zwickau übergeben. Der Förderverein wird es nun für die Komplettierung des Horch 14/17 PS einsetzen. Das Fahrzeug wird nach Fertigstellung als neues Exponat im fahrbereiten Zustand in der Dauerausstellung des August-Horch-Museums zu sehen sein.

Wegen der Zerstörungen im Krieg und der mangelhaften Archivierung der verbliebenen Dokumente standen keine technischen Konstruktions- oder Fertigungsunterlagen mehr zur Verfügung. Zudem steckte der Fahrzeugbau zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den Kinderschuhen und kannte keine Normen und Standards, wie sie heute etabliert sind. Jeder Hersteller entwickelte und produzierte Fahrzeugkomponenten nach eigener Façon. Ohne die Originale der Fertigungszeichnungen ist ein Nachbau von Fahrzeugkomponenten aus dieser Zeit darum eine wahre Detektivarbeit – das gilt auch für das Horch-Getriebe.

Für die Rekonstruktion des Horch-Getriebes profitierten wir maßgeblich von unserer Expertise und unseren Erfahrungen in der Getriebeentwicklung.

Dr. Andreas Schild — Teamleiter im Bereich Antriebsstrangentwicklung bei IAV und Leiter des ehrenamtlichen Restaurierungsprojekts

„Für den Nachbau des Horch-Getriebes lagen uns nur alte Prospekte, Skizzen und Fotos der Einzelteile als Grundlage zur Verfügung“, so Dr. Andreas Schild, Teamleiter im Bereich Antriebsstrangentwicklung bei IAV und Leiter des ehrenamtlichen Restaurierungsprojekts. So begann die Rekonstruktion des Getriebes für den Horch 14/17 PS mit einer umfassenden Recherche. Aus den Katalogen von Horch aus dem Jahr 1904 konnten die IAV-Ingenieure erfahren, dass der Wagen standardmäßig ein Dreigang-Getriebe hatte – nach damaligen Maßstäben war dieses sehr modern, speziell aufgrund des direkten Gangs bei stillstehender Vorgelegewelle. Zudem kamen der neue Chrom-Nickel-Stahl und die junge Technik der Kugellagerung in einem Aluminium-Sandguss-Gehäuse zur Anwendung.

Die besondere Herausforderung war, den funktionsfähigen Getriebenachbau so authentisch wie möglich zu gestalten, obwohl die Techniken, das Wissen und die Fertigungsverfahren von damals nicht mit den heutigen vergleichbar sind. „Wir sind stolz, das Getriebe für den Horch 14/17 PS rekonstruiert zu haben und es heute dem Förderverein des Horch-Museums übergeben zu können. Die Entwicklung von Getrieben, Motoren und anderen Antriebskomponenten gehört seit 35 Jahren zu den Kernkompetenzen von IAV. Auf dem Weg zur CO2-neutralen Mobilität 2050 setzen wir dieses Wissen täglich in unseren Entwicklungsprojekten ein. Mit dem Horch-Projekt steckt IAV-Know-how nun nicht mehr nur in den Antrieben von morgen, sondern auch in den Antrieben von gestern“, sagt Dr. Andreas Schild.


Der Artikel erschien in der automotion 03/2019, dem Automotive Engineering-Fachmagazin von IAV. Hier können Sie die autmotion kostenfrei bestellen.